Radikale Auszeit

Ja ja, ich weiß … ich bin furchtbar. Schon wieder ewig nichts geschrieben, und wenn, dann immer der gleiche Mist. Aber in meinem Leben war auch jede Menge los. Nicht, dass ich sowieso immer viel um die Ohren habe, sondern die letzten Wochen waren dann doch schon sehr extrem. Deswegen habe ich spontan eine radikale Auszeit von so ziemlich allem genommen. Warum? Ich brauchte es …
Und auch so gibt es jede Menge Veränderungen.

Das letzte, was ich von mir hören ließ, war mein misslungener und irgendwie auch trauriger Geburtstag. Ich kann leider nicht berichten, dass es danach steil bergauf ging, aber zuerst hatte ich einen Hoffnungsschimmer. Ich nahm tatsächlich Kontakt zu meinem damals guten Freund auf und es lief wieder gut. Ich hatte wieder einen sozialen Kontakt und vor allem auch wieder lachen können. Ich merkte, wie sehr mir das fehlte und war einfach nur froh. Aber leider ist das auch schon alles, was irgendwie positiv verlief.

Mir war vieles nicht bewusst und so wurde der komplette Stress für mich zum Alltag. Besonders hart traf mich das „Chaos“ (wenn ich es mal simpel ausdrücke) mit meiner Tochter. Ich wurde kränker und kränger und hatte mehrere Nervenzusammenbrüche. Zu meinem Selbstschutz musste ich den Kontakt abbrechen und würde mich der Ärger nicht weiterhin über Dritte erreichen, könnte das sogar besser für mich werden. Aber offenbar wollen mich die Menschen damit nicht in Ruhe lassen.
(Darauf werde ich aber hier nicht eingehen!)

Zu Weihnachten war es dann auch wieder ziemlich mies. Nun ja, ich hasse Weihnachten wie die Pest und oft triggert mich alleine die Tatsache, DASS wir Weihnachten haben. Die ganzen Erinnerungen kommen hoch und in mir tobt eine Mischung aus Hass und Traurigkeit. Ich habe in den letzten 24 Jahren nicht damit abschließen können und scheitere dabei, meiner Familie ein schönes Fest zu machen.
Trotzdem habe ich die Zähne zusammengebissen und meine Schwester UND auch meine Mutter angerufen. Mit beiden hatte ich Monate keinen Kontakt. Es war komisch, ich verarbeite das noch.

Schlimm war für mich auch, als ich zwei Tage vor Weihnachten einen Corona Test machen musste und in Quarantäne kam. In mir herrschten unzählige Gedanken und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich habe mich immer an alle Vorschriften gehalten und hatte einfach nur Angst. Zum Glück war der Test negativ, aber meine Nerven waren erneut belastet.

Irgendwann kurz davor war ich allerdings bei meiner Ärztin. Eigentlich nur zur Kontrolle, aber ich jammerte mich buchstäblich bei ihr aus und bat um Hilfe. Ich erzählte ihr all meine Sorgen und sie schien mich wirklich zu verstehen. Im März habe ich erst einmal einen Termin beim Rheumatologen um meine Hände checken zu lassen. Danach will sie mit mir einen Kur Antrag stellen. Hauptsächlich zur Gewichtsreduktion, aber auch zur „seelischen Unterstützung“, wie sie es nannte.
Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf. Vielleicht geht es damit in die richtige Richtung.

Tja … und so lebte ich meinen Trott. Tag für Tag. Immer das Gleiche. Das Schlimmste daran war jedoch, dass ich irgendwie keinen richtigen oder vernünftigen Alltag hatte.
So richtig bewusst wurde mir das dann vor ein paar Tagen.

Doch wenige Wochen vorher nahm ich noch Kontakt zu einem weiteren alten Freund auf. Jetzt schon fing ich an, überfordert zu werden. Es gab 2 Menschen in meiner Welt, mit beiden wollte ich mich beschäftigen.
Ach ja … ich sollte vielleicht erwähnen, dass wir alle zusammen WoW zockten …
Und das war der Knackpunkt. Ich tat nämlich NICHTS anderes mehr. Gar nichts. Und das, obwohl bei mir schon lange die Luft raus war. Doch klar, ich hatte Spaß im Spiel, aber wenn ich mir (sorry!) gefühlt jeden zweiten Tag anhören darf, wie sich manche vor Glück beinahe bescheißen und ein tolles Teil nach dem anderen bekommen. Wenn andere mir dann schon wieder vor Augen halten: Du musst das und dies und besser werden und mehr machen und jenes tun und vergiss dies und das nicht auch noch. Da vergeht mir die Lust. Ich habe den Spaß an meinem sonst so geliebten Hobby verloren.
Dann war ich schon wieder ganz knapp davor Reißaus zu nehmen und zurück zur Allianz zu flüchten. In einem Gespräch mit dem anderen Freund gab ich zu, süchtig zu sein. Und irgendwas in mir machte klick.

Von da an loggte ich mich immer weniger ein und manchmal an einem Tag gar nicht. Mittlerweile spiele ich wieder andere Spiele, wie Sims 4 oder Monster Hunter World (heute erst angekommen), Hearthstone und was es sonst noch gibt.
Und … ich schaffe es wieder, mich um mich selbst zu kümmern. Mehr im Haushalt zu machen, öfters auf Couch einfach nur zu chillen, ich glaube, dass ich auch bald wieder mehr lesen kann (es wäre so toll) und versuche auch wieder zu malen. Vor allem habe ich erst zu Weihanchten ein echt tolles Grafiktablet bekommen.

Der Nachteil daran ist, dass ich mich auch erst mal bei den beiden Freunden zurückgezogen habe. Ich brauche diese Ruhe momentan einfach. Der eine weiß es schon, der andere noch nicht.
Und ich weiß nicht, was passiert, wenn ich irgendwann wieder in WoW zurückkehre. Ich sagte, dass ich eine Auszeit auf unbestimmte Zeit nehme. Eine Woche, zwei … oder ein oder zwei Monate.
Spiele ich dann weiter Horde? Gehe ich zurück zur Allianz? Raide ich noch? Laufe ich noch M+? Keine Ahnung. Ich will mir das offen lassen und mich jetzt erst einmal auf andere Dinge konzentrieren. Denn ich glaube, dass ich in den letzten Jahren (!) mein eigenes Leben zu viel vernachlässigt habe.

Natürlich fühlt sich diese für mich krasse Veränderung erst einmal komisch an. Aber es ist auch ein gutes Gefühl. Für viele vielleicht auch unverständlich. Logisch. WoW ist doch nur ein Spiel und viele können damit nicht einmal etwas anfangen. Aber diese Community und der ganze Druck sind zu viel für mich. Wenn ich dann nicht einmal ein Erfolgserlebnis habe und nebenbei auch noch den ganzen privaten Scheiß ertragen muss, dann ist es einfach irgendwann zu viel. Zumal ich wirklich jeden verdammten Tag dieses Spiel gespielt habe.
Ich lasse wohl mein Abo weiter laufen, für den Fall, dass ich mal spontan Lust habe mich einzuloggen, aber das will ich erst einmal vermeiden.

Für mich ist nun wichtig:
Diese radikale Auszeit zu nutzen und mich erst einmal fangen. Mich zu sortieren.
Und dann zu gucken, was ich will und wie ich was weitermache. Und das ist nicht nur auf dieses dumme Spiel bezogen. Sondern auf alles. Auf mein Leben. Auf meine Gesundheit. Und auch auf meine Zukunft.

Übrigens habe ich ebenfalls meine komplette Facebook Freundesliste gesäubert. Von über 250 Kontakten blieben 45 übrig. Ich kannte von diesen niemanden und der Großteil waren irgendwelche Autoren, mit denen ich nie Kontakt hatte. Zur Zeit schreibe ich eh nicht mehr und weiß auch noch nicht, ob ich das noch will und kann. Wie gesagt … ich werde sehen, wo mich das Ganze hinführt.

Jetzt bin nämlich erst einmal ICH dran!

2 Kommentare bei „Radikale Auszeit“

  1. Danke für diesen mutigen und offenen Post. Von WoW oder Videospielen allgemein habe ich zwar keinen blassen Schimmer, aber ich finde es gut, dass du dir eine Pause davon gönnst. Vor allem, nachdem du gemerkt hast, dass dir das tägliche Spielen nicht guttut und sich bei dir eine Sucht entwickelt hat.

    Ich wünsche dir, dass es 2021 wieder bergauf geht bei dir. Dass du deinen Weg findest und auch Erfolgserlebnisse hast. <3

    Ganz liebe Grüße
    Myna

  2. […] ich bereits in dem erwähnten Vorbeitrag schrieb, bestand mein Alltag nur noch aus dem gleichen langweiligen Mist. Ich widmete mich […]

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