Psychisch krank und Familie

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Oh, für diesen Beitrag werden mich bestimmt einige hassen. Aber ich habe schon so lange geplant, einen Beitrag über das soziale Umfeld und vor allem über Familie zu schreiben, dass es nun einfach sein muss. Jetzt kommt mir nicht mit: „Hass“ ist aber ein intensives Wort oder: „Dich hasst doch niemand“ … denn doch, ich denke schon, dass das hier einigen gar nicht passt. Aber ich tue es trotzdem. Warum? Weil nun mal nicht immer alles rosa ist und ich die Schnauze gestrichen voll habe. Von Heuchlern.

Ist es nicht so, dass sich jeder Mensch Liebe, Verständnis und in gewissen Situationen auch mal Hilfe wünscht? Natürlich ist es so und niemand kann mir sagen, dass es jedem scheißegal ist und kein Mensch auf der Welt solche Bedürfnisse oder auch Wünsche hat. Das ist einfach menschlich und vollkommen normal. Niemand braucht sich schämen, weil man sich nach solch normalen Dingen sehnt.
Na ja, aber vielleicht sehnen sich manche ja auch gar nicht danach, weil sie es einfach haben. Weil es völlig normal ist, dass ihre Familie & Freunde für sie da sind. Besonders in schweren oder gar aussichtslosen Situationen, oder? Das ist doch normal, richtig? Jeder sollte so etwas haben.
Aber nein. Es ist eben nun mal nicht so. Warum ich mir da so sicher bin? Weil ich es seit über 15 Jahren am eigenen Leib spüre. Ich habe eine Familie, die nicht da ist. Die mich verspotten und meine eigenen Kinder gegen mich aufhetzen wollen.

Es ist nicht neu, dass das Gerücht besteht, dass ich nur spinne und mir doch alles nur einbilde. Aber es ist noch nicht immer so, dass meine eigene Mutter damit zu meiner Tochter geht und ihr das so wortwörlich sagt. Ihr eintrichtert, dass ich lüge. Als ich das erfahren habe, war ich wie vorm Kopf gestoßen, aber damit hat sie einen Punkt erreicht, der das Fass zum Überlaufen brachte und diesmal werde ich mich wehren.

Für meine Familie … nein. Für meine Eltern ist psychisch krank ein No Go. Vielleicht schämen sie sich für mich. Immerhin machen sie mir ja heute noch Vorwürfe, wie ich als 12-jährige war. Nie haben sie sich ernsthaft mit meinen Sachen beschäftigt. Es heißt schon immer nur: Stell dich nicht so an. Du brauchst ein härteres Fell. Du spinnst.
Nett, oder? Und dabei wurde mir in der Therapie gesagt, dass gerade die Familie das ist, was mir am meisten Halt geben kann. Da kennen sie aber meine Eltern nicht.

Den Kontakt meide ich ja so oder so schon länger. Ich glaube ich war schon fast ein Jahr nicht mehr dort. Zu Weihnachten wurden wir halt ausgeladen, da für uns kein Platz da war. Auf einmal. Das tat weh und zwar richtig. Meine Große durfte natürlich hin und die Kleine war hier und saß traurig in der Ecke. Denn sie ist ja nur die Nachzüglerin und wird bei weitem nicht so verwöhnt wie ihre große Schwester (worüber ich auch ein bisschen froh bin). Und da sich mein Vater ja eh immer nur über alles, was ich tue, lustig macht, halte ich mich davon fern. Mir tut das nicht gut.
Meine Mutter mischt sich zudem in meine Erziehung ein. Manchmal glaube ich, dass sie sich als Mutter für meine Kinder sieht. Ich habe sie bloß zur Welt getragen. Meine Große ist momentan sehr schwierig, Pubertät halt. Und meine Mutter lenkt hier bewusst gegen mich.

Ob die Kinder irgendwann nach Hause kommen liegt daran, wie es bei mir bergauf geht. Und nun wird ihnen gesagt, dass alles nicht stimmt. Dass ich gar nicht krank bin. Dass ich alles erfinde. Was soll ich dazu noch sagen? Was sollen meine Kinder von mir denken?

Ich weiß, dass ich meine Eltern leider nicht ändern kann, aber ich kann vermeiden, weiterhin Vorwürfe und Lügen aufgetischt zu bekommen.
Es ist traurig und es tut weh. Schließlich habe ich meinem Vater auch nie vorgeworfen, was er Weihnachten 97 mit mir angestellt hat. Als die Polizei kommen musste. Und meiner Mutter werfe ich auch nie vor, dass ich als Kind nur materielle Liebe bekam und nie wusste, wie es sich anfühlt, richtig geliebt zu werden.
Sollte ich damit vielleicht mal anfangen? Soll ich meinen Eltern endlich mal die Meinung sagen? Geht es mir dann besser?
Nein. Wahrscheinlich nicht. Vermutlich streiten sie es eh ab. Immerhin spinne ich ja nur.
Und …. ich bin besser. Ich werde mich nicht mit ihnen auf einer Stufe stellen und andere verurteilen für das, was sie sind.
Auch … wenn ich meinen Frust auf meinem Blog rausgelassen habe. Denn Verständnis und Hilfe kann ich mir so oder so nicht leisten. Dafür bin ich zu klein …

7 Kommentare bei „Psychisch krank und Familie“

  1. Liebe Yvi

    Es tut mir wirklich leid das deine Eltern so drauf sind. Ich kann deine Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit gut verstehen und ja, Familie ist nicht immer das gelbe vom Ei. Ich hab im gross und ganzen Glück was meine, die noch übrig ist, betrifft.

    Mit meinem Vater hab ich auch nur sehr selten Kontakt, alle Par Monate Mal am Telefon. Viel erzähl ich nicht weil seine Probleme eh viel wichtiger und gravierender sind. Und so weiter.

    Die einzigen Probleme habe ich eigentlich mit meiner ältesten Tochter. Die versteht das auch nicht, nicht nur was die psychische Krankheit betrifft sondern allgemein das Leben, irgendwie. Grade letzte Woche gab wieder so eine Situation wo ich echt sauer war. Dennoch komm ich immer gleich in eine Rechtfertigungshaltung. Warum? Für sie ist das Leben so einfach, man kann alles wenn man nur will, egal was es ist. Ja, sie hatte Glück im Leben und hat es weit gebracht, ich freu mich auch für sie und ihre Familie aber sie ist dermassen Weltfremd das kannst du dir nicht vorstellen. Ich habe so gar nichts mehr mit ihr Gemeinsam.

    Traurig, aber so ist es nun mal.

    Wir können andere nicht ändern, nur wir uns selber. Und daran arbeiten wir ja beide. Das ist doch schon mal was oder 😉

    Vielleicht kannst du deine älteste mal mit zur Therapie nehmen und ihr erklären lassen das es eben nicht nur Einbildung ist. Das du wirklich Probleme hast. Also wenn du denkst deine Mutter hat erfolg mit ihren Lügen.

    Ich wünsch dir das du für dich den richtigen Weg findest dich zu wehren, ich bin auch immer noch auf der Suche. *knuddel*

    Ich wünsch dir trotz ärger und Wut einen guten Wochenstart.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    1. Vor kurzem schrieb mich eine ganz alte Freundin an. Sie traf meine Mutter auf dem Markt. Viel hat meine Mutter nicht erzählt, nur, dass sie schon lange nichts mehr von mir gehört hat. Ehrlich gesagt hätte ich gerne bei dem Gespräch Mäuschen gespielt. Das würde ich allgemein manchmal sehr gerne. Ich weiß, dass mich das Wissen wütend machen würde, aber ich würde vielleicht dann auch wissen, was überhaupt wirklich erzählt wird.
      Mein Misstrauen wird halt dank meiner Mutter immer größer.

      Ich kann meine Große doch zu keiner Therapie mitnehmen, wenn ich keine habe. 😀
      Momentan therapiere ich mich irgendwie selbst, klappt natürlich nicht so ganz, aber na ja …

      Ach, mich macht diese momentane Situation irgendwie traurig. Normalerweise saßen wir im Sommer oft bei meinen Eltern im Garten. Haben gegrillt und geredet. Aber langsam akzeptiere ich, dass das vorbei ist. Der Gedanke zu wissen, wie das ausgeht, ist einfach zu beängstigend und ich möchte den Stress einfach vermeiden. Denn mir tut das auf Dauer nicht gut.
      Allerdings habe ich große Angst, dass ich durch mein Verhalten vielleicht meine Eltern ganz verliere. Ich bekomme schon wieder Schuldgefühle. Meine Eltern gehen halt beide auf die 80 zu und sind nicht mehr die Gesündesten. Aber was soll ich tun? Aushalten und ertragen? Ich weiß nicht ob ich das kann. Denn ich weiß aus Erfahrung, dass es früher oder später wieder von vorne anfängt … 🙁

      1. Oh ja, Mäuschen spielen… dann aber denk ich…. lieber nicht. Wie du sagst würd ich wahrscheinlich auch wieder nur wütend werden.

        Ah, sorry dann hab ich das irgendwie übersehen, dachte bist in Therapie. Hast du denn das Gefühl das sie deiner Mutter glauben schenkt? Ich meine deine älteste?

        Das kann ich verstehen, echt! Und es ist wirklich keine leichte Situation. Es kommt halt drauf an wie sehr du darunter leidest. Vielleicht kannst du ja noch mal einen versuch startet dich mit ihnen auszusprechen wenn es dir etwas besser geht. Und wenn es dann nicht hinhaut, schliess ab. egal für was du dich entscheidest, es ist wichtig das du kein schlechtes Gewissen dabei hast.

        Fühl dich gedrückt…

        1. Ich weiß nicht. Ich bin da wirklich total unsicher, sie sagt, dass sie es nicht glaubt. Aber anderseits … Ich würde mir irgendwie wünschen, dass meine Tochter dann meiner Mutter mal sagt, dass sie ihr nicht glaubt und dass sie damit aufhören soll. Aber das traut sie sich nicht.

          1. Du darfst nicht vergessen, sie ist erst 8. Das ist schwierig sich zwischen die 2 Menschen zu stellen die für sie da sind. Aber ich kann dich gut verstehen. Ich denke dafür muss sie älter sein, reifer und vor allem selbstsicher. Sie will wahrscheinlich keinen verletzen und sie hat sicher auch Angst vor der Reaktion deiner Mutter. Alles nicht einfach.

            1. Sie ist 14 😀
              Die Kleine ist 9, aber die ist für meine Mutter nicht so interessant. Hat mehr eigene Meinung und so 😀

            2. Ah sorry, dann hab ich das falsch verstanden oder gelesen. Gut, dann versteh ich das du hoffst das sie mal hin steht und deiner Mutter mal die Meinung sagt. Aber eben… Vielleicht kann ja mal Papa mit ihr reden.

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