Ein Rattenschwanz

Das sagt man doch so? Es ist wie ein Rattenschwanz. Es sollte sich alles von grundauf ändern. Ich habe Entscheidungen getroffen. Vorbereitet und mich wirklich reingehangen. Dass das Ganze Konsequenzen haben wird, habe ich vielleicht tief in mir drin gewusst, aber nicht wirklich durchdacht.
Viele mögen eventuell sagen, dass das Leben nun mal so ist. Man kann nicht alles bis ins kleinste Detail planen und muss immer mal mit Rückschlägen leben.
Aber … wie viele Rückschläge muss ich denn noch ertragen?
Frage: Bin ich einfach nur zu schwach? Bin ich nicht konsequent genug? Oder bin ich einfach nur dämlich?

Erst mal … alles sollte damit anfangen, dass ich kein WoW mehr spiele. Das funktionierte so ca. 2 Wochen. Danach fing ich wieder an, erst nur gelegentlich und nach weiteren ca. 2 Wochen saß ich schon wieder von morgens bis abends davor. Klar, ich bin in meine alte Gilde zurück, verstehe mich mit den Leuten super und dort läuft auch eigentlich alles gut. Das genießt man natürlich und schwupp …. verfällt man wieder ins alte Muster.
Mir ist bewusst, dass ich dieses Spiel eigentlich von meinem PC deinstallieren sollte, aber das will ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich möchte diesbezüglich eine gesunde Lösung finden. Aktuell trete ich wieder etwas zurück, aber nur für 1-2 Tage.
Mal schauen, wie sich das noch in den nächsten Wochen verhält und ob ich dieses Problem endlich in den Griff bekomme.


Das nächste war das Rauchen. Ich war so verdammt stolz, dass ich über 3 Wochen nicht geraucht habe. Anfang der Woche fing ich dann aber wieder an. Bis jetzt noch nicht so extrem, aber für mich zählt, dass ich schwach geworden bin. Eine Niederlage. Eine weitere.
Normalerweise werde ich immer rückfällig, wenn ich unter enormen Stress leide, aber das war diesmal nicht so. Mich regte nur die E-Zigarette auf und dann brachte mir mein Mann eine Schachtel mit und tja … Vielleicht sollte ich das einfach so akzeptieren?


Dann ist da diese permanente Unentschlossenheit. Das Chaos in meinem Kopf, das immer dann entsteht, wenn irgendetwas neu ist. Klingt vielleicht komisch, aber da es momentan irgendwie gut läuft, komme ich damit nicht klar.
Beispiel: Ich habe so gut wie keine sozialen Kontakte. Keine Freunde. Keine Menschen um mich herum (außer meinen Mann und gelegentlich meine Kinder). Daran war ich gewohnt, wenn auch nicht damit zufrieden. Da ich nun aber durch die Gilde in WoW wieder Kontakte habe, überfordert mich das. Ich war schon wieder am überlegen zu flüchten. Sie tun mir nichts und eigentlich ist alles top in Ordnung. Nur quälen mich ständig – und damit meine ich wirklich immer und jeden Tag! – die Gedanken, dass ich unerwünscht sein könnte, dass ich nerve, dass ich ein Nichtsnutz bin.
Ich kann damit überhaupt nicht umgehen, wenn irgendetwas positiv verläuft und Menschen um mich herum sind, die einfach mal nur nett sind und / oder mir helfen. Das überfordert mich jedes Mal maßlos und ich habe absolut keinen blassen Schimmer, was ich dagegen tun kann.

Außerdem läuft es auch gerade mit den Kindern wieder sehr gut. Meine Große ist wieder regelmäßig hier und es läuft einigermaßen gut. Mir ist nur aufgefallen, dass ich ihr nicht in die Augen blicken kann. Ich weiß nicht warum das so ist. Ich habe mir immer die Schuld gegeben, weil alles so ist, wie es ist. Wer soll sonst die Schuld tragen? Sagt mir nicht, dass das Quatsch ist, denn wäre ich nicht so kaputt, wären meine Kinder niemals ins Heim gekommen. Dann hätte auch die Rückführung vor 3 Jahren funktioniert und meine Große würde nun hier bei mir wohnen, wo sie meiner Meinung nach auch hingehört! Heute ist ihr 16. Geburtstag, sie ist mittlerweile in der Verselbstständigung angekommen und wird irgendwann eine eigene Wohnung beziehen. 10 Jahre ist sie bereits „weg“. Das tut verdammt weh und ich wünsche mir immer noch, dass sie einfach nach Hause kommt. Auch, wenn es manchmal schwer war oder ist.
Meine Kleine wird bald 11. Auch sie ist schon einige Jahre nicht mehr bei mir und allmählich kann ich den Gedanken nicht mehr ertragen, dass sie noch viel länger weg bleibt. Sie sagte auch letztens zu mir, dass sie nach Hause will und aktuell läuft hier eine inoffizielle Rückführung. Mit sehr sehr viel Glück kann sie vielleicht dieses Jahr nach Hause.
Aber ich will nicht nur sie. Ich möchte beide zu Hause haben. Ich glaube, sonst gehe ich irgendwann kaputt.


Tja und dann ist da die Sache mit dem Schreiben. Ich habe geplottet und mir eine neue Geschichte zurecht gebastelt. Hatte Ideen für direkt 3 Bücher. Aber ich kann nicht. Ich schaffe es einfach nicht mit einen Manuskript zu starten.
Jedes Mal, wenn ich das leere Dokument vor mir habe, schießen Gedanken hoch. Meine letzten Bücher waren eher ein Flop. Der Verlag hatte mich verarscht und ich habe nie das Geld gesehen. Mein Social Media Kanal ist tot. Dort kam auch sonst kaum bis nie eine Reaktion. Selfpublishing kann ich mir nicht mehr leisten. Ein Verlag würde mich wahrscheinlich sowieso nicht nehmen.
Also frage ich mich: Willst du wirklich ein komplettes Buch schreiben, wenn es doch sowieso zum Scheitern verurteilt ist? Ich will. Und ich liebe das Schreiben. Und meine Ideen wollen raus. Aber ich kann nicht. Ich habe Angst vor einer weiteren Niederlage.


Dabei wünschte ich mir so sehr einen Neuanfang. Ich hatte fest daran geglaubt, dass es nun bergauf geht und bald wieder alles gut laufen kann.
Mir ist bewusst, dass Menschen scheitern und ich weiß auch, dass nicht alles auf einmal klappen kann. Aber warum funktioniert denn einfach gar nichts von dem, was ich mir vornehme?
Auch das Malen, Zeichnen, Lesen, Diamont Painting, Serien, Haushalt, … einfach alles braucht Überwindung. Oft sitze ich einfach mal eben zwei bis drei Stunden auf der Couch, starre die Wand an und denke nach. Das geht dann so lange, bis ich wieder entschlossen bin und zack … wieder ein Rückschlag. Oft erwische ich mich auch, wie ich zu allem eine chronische Unlust entwickle. Das kann nicht normal sein.

Für mich ist das schon fast mehr, als wie nur ein Rattenschwanz. Es ist pures Chaos, aus dem ich nicht rauskomme und keinen Anfang finde.
Werden mich also diese Ängste, Sorgen und Probleme mein restliches Leben begleiten?

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