Back to Life

Vor einigen Tagen berichtete ich, dass ich mir eine Auszeit von einfach allem genommen habe. Nehmen musste.
Nun ist schon ein bisschen Zeit vergangen und ich merke die ersten Veränderungen. Und glücklicherweise kann ich sagen: Es sind wirklich nur positive. Aber mich machen auch viele Dinge sehr nachdenklich …

Wie ich bereits in dem erwähnten Vorbeitrag schrieb, bestand mein Alltag nur noch aus dem gleichen langweiligen Mist. Ich widmete mich eigentlich nur noch meinem Hobby WoW und vernachlässigte mich selbst enorm. Das wurde dann irgendwann so schlimm, dass ich bereits bei einfachen Hausarbeiten stellenweise Schmerzen bekam. Logisch. Ich saß ja auch nur noch vor dem PC. Mein Tagesablauf war ganz simpel. Morgens stand ich auf, ging ins Bad, machte mir Kaffee und verzog mich vor dem PC. Ich ging so gut wie nicht mehr raus, weswegen mir auch frische Luft quasi ausblieb. Sogar die Vorhänge waren wochenlang einfach zu. Kein Tageslicht. Soziale Kontake … oder, überhaupt Kontakte mit Menschen … hatte ich lediglich über das Onlinegame. Und auch, wenn ich darüber Freundschaften geschlossen hatte, taten mir diese leider nicht immer nur gut. Okay, das kann auch im realen Leben vorkommen.
Allerdings kam ich dann an einen Punkt, wo ich erkannte, dass ich dringend etwas ändern muss.

Das habe ich getan und ich ziehe das jetzt schon eine gute Woche so durch. Bereits jetzt merke ich wie gut mir das tut und wie sehr mir das gefehlt hat. Natürlich zocke ich noch am PC, aber nicht mehr so viel und nicht mehr so intensiv. Ich habe wieder angefangen zu lesen und mache ganz normale Dinge.
Gestern Abend lag ich zB einfach mal nur gute zwei Stunden auf der Couch und habe gechillt und mich ausgeruht.
Jeden Tag raffe ich mich auf und bin aktuell dabei die komplette Wohnung auf Vordermann zu bringen. Nennen wir es mal Frühjahrsputz mit akutem Ausmisten. Ich habe mir sogar einen Haushaltsplan ausgedruckt und aufgehangen. Für die meisten völlig normal, für mich ein Schritt zurück ins Leben und auch eine Herausforderung. Zumal das auch wieder Bewegung ist, die mir wie bereits erwähnt einfach fehlte.
Heute war ich dann wieder kurz beim Arzt, um eine Überweisung zu holen. Ich merkte sofort, dass mir meine Beine nicht mehr so weh taten und beim Treppen hochlaufen musste ich keine Pause machen. Natürlich war ich danach erst mal k.o., aber es lief einfach besser.
Ich esse auch wieder regelmäßig und trinke mehr. Die Vorhänge sind fast ganztags geöffnet und meine Laune ist auch wieder besser. Nächste Woche habe ich einen Arzttermin beim Neurologen und werde dorthin alleine mit dem Bus fahren. Ich bin sehr gespannt, aber auch motiviert. Aber ich muss gestehen, dass ich auch ein bisschen Angst davor haben, doch ich will das schaffen!

Ich glaube, dass ich momentan auf einem guten Weg bin. Aber ich möchte mich selbst nicht überfordern und alles langsam angehen. Jedoch will ich nicht, dass ich irgendetwas schleifen lasse und vielleicht sogar in ein altes Muster zurückfalle.
Nun möchte ich dies alles erst einmal so laufen lassen und gucken, wie ich weiterhin damit klarkomme. Ob ich irgendetwas davon ändern muss oder sollte oder, ob es einfach so bleiben kann.

Dennoch merke ich, dass mir auch vieles fehlt. Als ich gestern Abend auf der Couch lag und einfach nichts tat, hatte ich natürlich auch viel Zeit zum nachdenken.

Denn jetzt, wo einfach mein gesamter Alltag anders abläuft, merke ich wieder, wie alleine ich manchmal bin. Bis quasi zum Nachmittag bin ich total beschäftigt, abends dann kaputt und auf einmal packte mich die extreme Lustlosigkeit und ich spürte, wie die bekannte und verhasste Anspannung hochkam.
Allerdings fragte ich mich, warum?! Die Kontakte/Freundschaften, die ich vorher hatte … wieso sind sie nun weg? War das tatsächlich nur auf WoW bezogen? Kann man keinen Kontakt haben, wenn man nicht gemeinsam spielt? Oder muss ich mich damit abfinden, dass das einfach vorbei ist? Kann ich das? Will ich das? Aber warum muss ich schon wieder alles tun, damit alles aufrecht erhalten bleibt?
Ich fragte mich auch, ob ich mir vielleicht die Mühe machen soll und neue Kontakte suchen könnte. Allerdings bin ich diesbezüglich unheimlich skeptisch und vor allem habe ich auch keinen blassen Schimmer, wo und wie ich damit anfangen soll. Immerhin lerne ich neue Menschen nicht kennen, wenn ich nur zu Hause sitze. Aber wo soll ich auch hin? Corona schränkt da ja doch sehr ein.
Schwierig. Ich wünsche mir einfach einen Freund oder Freundin, mit der oder dem ich Interessen teile und nicht nur immer online bezogen. Vor einigen Jahren hatte ich diese Freundin, aber irgendwie lebten wir uns auseinander und momentan ist da einfach nichts mehr.
Da werde ich mal schauen, aber jetzt aktuell will ich auch nichts überstürzen.

Der nächste Knackpunkt, der mich beschäftigt, ist meine … wie soll ich das nennen? Berufliche Situation. Zur Zeit ist mein Mann hier der Alleinverdiener. Er verdient nicht schlecht und wir kommen damit gut klar, aber mich macht das nicht glücklich und frustriert mich obendrein sehr. Ich habe keine Lust mein Leben lang von ihm abhängig zu sein. Öfters habe ich darüber nachgedacht, ins Berufsleben zurück zu kehren. Aber wie? Ohne Scheiß, ich habe keine Ahnung, wie ich das anstellen soll. Ich habe nichts gelernt. Ich bin bereits ewig lange arbeitslos. Gesundheitlich bin ich alles andere als fit, vor allem auch körperlich. Ich habe immer noch Probleme mit fremden Menschen und kann auch kein Schichtarbeiten, durch meine Gesundheit. Das sind echt wunderbare Vorraussetzungen. Und wieder macht Corona alles schwieriger. Gestern Abend hatte ich nämlich mal geguckt, ob ich vielleicht erst einmal mit einem Kurs an der VHS anfangen könnte. Alles bis auf weiteres geschlossen. Logisch.
Was habe ich denn für Chancen? Ich kann doch nichts!
Aber nun ja … mein Plan ist aktuell, nächste Woche einen Rat meiner Ärztin einzuholen. Und dann schauen, wie es weiter geht …


In Stichpunkten, was ich in der letzten Woche verändert hat:

  • Ich spiele nicht mehr den ganzen Tag WoW.
  • Ich kümmere mich intensiv um den Haushalt.
  • Ich achte mehr auf mein eigenes Befinden.
  • Ich spüre die ersten (positiven) körperliche Veränderungen.
  • Ich regele wichtige Telefonate und vereinbare selbstständig Arzttermine.
  • Ich esse wieder regelmäßig.
  • Ich bewege mich mehr.
  • Ich habe wieder Tageslicht in der Wohnung.

Für mich wichtige Ziele:

  • mein Gewicht in den Griff bekommen.
  • noch mehr Bewegung.
  • komplette Wohnung ausmisten.
  • zurück ins Berufsleben.
  • soziale Kontake knüpfen.
  • evtl nach einer neuen Medikation fragen (Abilify?)

Mal schauen, wie das alles funktioniert ….

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